Wovor schützen die HPV-Impfstoffe?

In Deutschland stehen zwei vorbeugende HPV-Impfstoffe zur Verfügung: Cervarix® und Gardasil®. Beide Impfstoffe schützen vor der Ansteckung mit HPV 16 und 18. Diese Erreger können bei einer lang anhaltenden Infektion, Fachleute sprechen von chronischer oder persistierender Infektion, zu mehr oder weniger stark ausgeprägten Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals führen. In manchen Fällen entwickeln sich diese Veränderungen unbehandelt zu Krebs: Bei sieben von zehn Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs (70 Prozent) ist eine Infektion mit HPV 16 und/oder 18 im Tumorgewebe nachweisbar. Auch bei seltener auftretenden Karzinomen an Penis, After und Vulva (weibliche Scham) sowie im Hals- und Rachenbereich spielen die Virustypen HPV 16 und/oder 18 eine Rolle.

Ziel der Impfung:

Eine HPV-Impfung verhindert ausgeprägte Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals, die durch die HPV-Typen 16 und 18 ausgelöst werden. Diese Veränderungen bezeichnen Mediziner als zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN, engl.: Cervical Intraepithelial Neoplasia) oder Dysplasie. Unter CIN 1 und CIN 2 versteht man geringgradige (leichte) oder mäßiggradige (mittelschwere) Dysplasien, die sich in vielen Fällen von alleine wieder zurückbilden. Hochgradige (schwere) Gewebeveränderungen (CIN 3) gelten dagegen als direkte Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs.

Die Impfung schützt zudem vor Krebsvorstufen, sogenannten Präkanzerosen, der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane (Vulva). Dies zeigten Studien zu Gardasil®. Darüber hinaus beugt Gardasil® Infektionen mit den HPV-Typen 6 und 11 vor: Diese sind nur selten in Krebsgewebe zu finden, aber in neun von zehn Fällen (90 Prozent) aller Genitalwarzen bei Frauen und Männern nachweisbar. Zudem ist etwa jede vierte Patientin mit einer CIN I - Diagnose Trägerin von HPV 6 oder 11.

LEXIKON
CIN= engl.: Cervical Intraepithelial Neoplasia.
Der Begriff steht für Zellveränderungen am Gebärmutterhals. Diese werden in drei Gruppen eingeteilt.
CIN 1: leichte Dysplasie
CIN 2: mittelschwere Dysplasie
CIN 3: gilt als unmittelbare Vorstufe des Zervixkarzinoms.

Beide Impfstoffe wirken nur vorbeugend: Bestehende HPV-Infektionen und/oder Folgeerkrankungen können durch eine Impfung nicht behandelt werden!

Wer soll vorrangig geimpft werden?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) im Robert-Koch-Institut (www.rki.de) empfiehlt die Impfung gegen humane Papillomviren für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Da eine Ansteckung mit HPV hauptsächlich über sexuelle Kontakte erfolgt, ist diese Zielgruppe mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht infiziert. Nachgewiesenermaßen ist die Impfung weniger wirkungsvoll bei Personen, die sich bereits mit HPV infiziert haben.

Das Risiko, sich mit HPV bei einer infizierten Person durch Geschlechtsverkehr anzustecken, ist sehr hoch - auch schon beim „ersten Mal“. Zwar bieten Kondome einen gewissen Schutz, dennoch garantiert ihre Verwendung keine absolute Sicherheit vor der Ansteckung. Gleichwohl sollte gerade in neuen Partnerschaften oder bei häufigem Partnerwechsel niemals auf Kondome verzichtet werden: Sie schützen auch vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen, wie etwa HIV.